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Die besten Strategien gegen Mobbing bei Kindern

15. April 2026

„Mama, ich will da nicht mehr hin …“ Lina ist elf Jahre alt. Seit Wochen klagt sie morgens über Bauchschmerzen. Sie wirkt stiller, in sich gekehrt und möchte plötzlich nicht mehr zur Schule gehen. Als ihre Mutter vorsichtig nachfragt, kommen ihr die Tränen: „Die sagen immer, dass ich nicht mitspielen darf, und schubsen mich weg.“

Markus erzählt seinen Eltern nach der Schullandwoche kaum von seinen Erlebnissen dort. Der 15-jährige hatte sich zuvor schon sehr auf die Auszeit mit seinen Freunden gefreut. Erst nach einfühlsamem Nachfragen seiner Eltern erzählt er von den dauernden Hänseleien durch die anderen. Vor allem Frido macht sich seit einiger Zeit immer wieder über ihn lustig und teilt an einem Abend in einer WhatApp-Gruppe Videos von einem Ball, den Markus als Tormann nicht gehalten hat. Markus ist auch in der WhatsApp-Gruppe und liest all die verletzenden Kommentare, die die anderen schreiben, in Echtzeit mit. Die ganze Zeit sind sie alle im gleichen Zimmer, Markus hört, wie die anderen über ihn lachen, aber kein einziger seiner Mitschüler verteidigt ihn oder fragt, wie es ihm geht.

Solche oder ähnliche Geschichten spielen sich jeden Tag ab, in der Schule, in der Familie oder in der Freizeit. Ob Beleidigungen oder Ausgrenzung, ob Klassenzimmer oder Bildschirm – Mobbing ist kein Einzelfall.

Die schlechte Nachricht zuerst: Mobbing findet an jeder Schule statt. Die gute Nachricht ist aber: Du kannst etwas dagegen tun, auch schon präventiv.

Und du kannst deinem Kind im Ernstfall helfen, besser mit schwierigen Situationen umzugehen. In diesem Artikel beschreibe ich Strategien, die dir und deinem Kind helfen können, auch für die Zukunft gegen Mobbing und andere schwierige Situationen gewappnet zu sein.

Mobbing bei Kindern und Jugendlichen

Manchmal geht es schon in der Volksschule los, dass sich Kinder ausgeschlossen fühlen. Meiner Erfahrung nach eskalieren die Situationen, in denen Kinder und Jugendliche einander ausgrenzen und verletzendes Verhalten an den Tag legen, oft ab einem Alter von ungefähr 10 -12 Jahren. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht schon vorher zu Mobbing und Bullying kommen kann.

In der Wissenschaft wird eher der Begriff Bullying verwendet, im Alltag sprechen wir meist von Mobbing, warum ich in diesem Artikel auch den Begriff Mobbing verwenden werde. Aber ab wann genau handelt es sich nun um Mobbing? Nicht jede Streiterei, nicht jeder Konflikt ist automatisch Mobbing. Haben die Verletzungen von einer oder mehrere Personen aber zum Ziel, einem anderen Kind absichtlich zu schaden, es also zu quälen oder es auszugrenzen, dann sprechen wir von Mobbing. Diese Handlungen gehen über einen längeren Zeitraum und können körperlich, verbal oder psychisch sein. Und spätestens dann brauchen Kinder und Jugendliche Strategien, um mit den Mobbing-Angriffen umzugehen

Dabei möchte ich noch auf das Machtgefälle hinweisen, das bei Mobbing auschlaggebend ist. Die mobbenden Kinder üben oft Macht aus, indem sie die Angst oder Hilflosigkeit des Gegenübers ausnützen. Die Mobber*innen demonstrieren also ihre eigene Macht, indem sie andere schikanieren und sich über sie lustig machen.

Mehr zur Definition von Mobbing, zu Ursachen und den verschiedenen Erscheinungsformen von Mobbing habe ich euch in meinem Artikel So erkennst du, ob dein Kind gemobbt wird zusammengefasst.

Mobbing ist also keine harmlose Hänselei. Es handelt sich um wiederholte, gezielte Ausgrenzung oder Schikanen, und das oft über Wochen oder Monate. Diese Angriffe können verbal, sozial, psychisch oder sogar körperlich sein.

Wenn dein Kind also unter Mobbing leidet, dann braucht es Unterstützung und Strategien, um damit umzugehen.

Typische Auslöser für Mobbing

Zuallererst möchte ich betonen, dass kein Kind schuld daran ist, gemobbt zu werden. Egal, was der Auslöser für die schädlichen Handlungen der anderen ist, das betroffene Kind ist nicht dafür verantwortlich.

Häufig werden Kinder gemobbt, die „anders“ sind als die anderen. Und dieses Anderssein kann auf den verschiedensten Ebenen stattfinden. Sie sehen anders aus („Du dickes Schwein“), sie sind anders gekleidet („Hast du den Pulli aus dem Mistkübel gefischt?“). Manche Kinder werden aufgrund ihrer Herkunft gemobbt („Lern erstmal richtig Deutsch!“) oder wegen ihrer besonderen Interessen („Nur Streber spielen Geige!“).

Auch Sensibilität oder Schüchternheit können die Ursache für Mobbing sein. „Jetzt weint sie schon wieder!“ oder „Du liest ja immer nur Comics, klar, dass du keine Freunde hast“. Diese Aussagen verletzen und führen nach und nach dazu, dass sich Kinder und Jugendliche zurückziehen.

Oft haben die mobbenden Kinder eigene Probleme und versuchen jetzt, Kontrolle und Macht zu spüren, indem sie andere heruntermachen. Wenn du als Mama oder Papa dein Kind leiden siehst, dann ist dir in erster Linie wichtig, dass dein Kind Strategien findet, um mit der Mobbing-Situation besser umzugehen oder sich dagegen zu wehren. Doch meist sieht auch das andere Kind gerade keine andere oder bessere Möglichkeit zu handeln. Vielleicht wird es selbst in der Familie unschön behandelt oder hat kein anderes Verhalten gelernt.

Mehr über Auslöser von Mobbing und die Rollendynamik in Mobbing-Situationen findest du in meinem Artikel So erkennst du, ob dein Kind gemobbt wird.

Manchmal kann aber auch die Schulsituation zu Mobbingsituationen beitragen. Leistungsdruck, eine ungute Stimmung in der Klasse oder fehlende Aufsicht auf den Schulgängen oder auch in digitalen Räumen kann Mobbing anfeuern. Hier sind Lehrpersonal, Direktion und auch Eltern gefragt, sich einzubringen, sich auszutauschen und den Kindern zu helfen, Strategien gegen Mobbing zu erlernen. Das Bagatellisieren von verbaler, psychischer oder physischer Gewalt ist sicherlich der falsche Weg, um soziale, emphatische und selbstsichere Kinder zu erziehen. Erwachsene sollten Präsenz zeigen, um allen Kindern Sicherheit zu geben. Gleichzeitig gilt es, die Balance zu finden und kleinere Konflikte nicht aufzubauschen, was sehr viel Einfühlungsvermögen und genaues Hinschauen erfordert. Doch sicher ist: Wenn ein Kind sich nicht wohl fühlt in einer Gruppe, dann braucht es Unterstützung!

Kann Mobbing einfach so vorübergehen?

Streitereien und kurze Hänseleien auf dem Schulhof sind normal für Kinder und gehen auch wieder vorbei. Kinder lernen so, Grenzen zu setzen oder zu beachten. Sie lernen, dass andere Menschen andere Meinungen haben und welche Rolle sie in Konflikten einnehmen können.

Bei Mobbing ist das jedoch anders. Wenn dein Kind unter den Angriffen von anderen Kindern leidet, dann wäre es falsch darauf zu hoffen, dass das einfach so vorübergeht. Kinder und Jugendliche bleiben oft bei ihrem negativen und schädigenden Verhalten, wenn Erwachsene nicht intervenieren.

Mobbing hört nicht einfach auf, denn für Kinder, die andere mobben, ist das Gefühl der Macht ein Antrieb, weiterzumachen. Sie haben meist keine Strategien gelernt, wie sie mit positiven Verhaltensweisen intensive positive Gefühle in sich hervorrufen können.

Einzig die Formen des Mobbing können sich mit der Entwicklung der Kinder verändern. Jüngere Kinder gehen oft körperlich aufeinander los, sie schreien und schimpfen, die Verhaltensweisen sind also meist offensichtlich. Schwieriger wird es, wenn die Kinder älter und die Verletzungen subtiler werden. Dann kommt es eher zu Mobbing auf psychischer Ebene, die Ausgrenzungen werden weniger sichtbar, verletzen aber gerade dadurch umso mehr. Daher ist es so wichtig, Mobbing früh zu erkennen, zu intervenieren und den Kindern Strategien an die Hand zu geben, wie sie positive soziale Beziehungen entwickeln können.

Die Mobbing-Spirale

Mobbing beginnt meist nicht an einem Tag zu einem gewissen Zeitpunkt, die Übergänge sind fließend und weder die betroffenen Kinder und Jugendlichen noch die Akteur*innen können im Nachhinein sagen, wann genau es begonnen hat. Daher ist die Prävention so enorm wichtig. Kinder und Jugendliche sollten bereits früh lernen, wie es zu Mobbing kommt und was jeder und jede tun kann, um den Kreislauf zu unterbrechen.

Schon eine einzige Person kann Mobbing-Strukturen auflösen und den Kreislauf beenden.

Gewalt zeigt sich auf unterschiedliche Arten und Weisen. Auf der Seite eines deutschen Frauenhauses habe ich eine tolle Beschreibung dieses Gewaltkreislaufs gefunden, die sich meiner Meinung nach auch gut auf die Gewalt in Mobbing-Situationen übertragen lässt.

Quelle: Frauen- und Kinderschutzhaus Kreis Waldshut: https://www.frauenhaus-wt.de/haeusliche-gewalt/gewaltkreislauf/

Meist beginnt Mobbing damit, dass sich aus den verschiedensten Gründen Ärger, Frust oder Wut gegen eine Person aufstaut. Durch diese aufgestauten Gefühle kommt es dann zu Spannungen oder sogar zu einem offenen Konflikt und in der Folge zu Gewalthandlungen. Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass Gewalt physische Gewalt, aber auch psychische Gewalt bedeutet.

Eine Gewalthandlung hat oft eine kurzfristige Erleichterung bei den übergriffigen Personen zur Folge, danach kommt es aber sehr oft zu Schuldgefühlen, einem schlechten Gewissen und Entsetzen über die eigene Tat. Das wiederum führt zu Erklärungsversuchen, manchmal auch zu Entschuldigungen und dem Versuch, sich mit der betroffenen Person zu versöhnen. Wenn dies nicht gelingt, dann schweigen wir, vermeiden den Kontakt und wollen möglichst Abstand halten. Wenn jetzt nicht in einer angemessenen Art und Weise gesprochen oder interveniert wird, dann beginnt der Kreislauf aufs Neue.

Da Kinder und Jugendliche oft noch wenige Strategien erlernt haben, um mit dem Schweigen, der Scham und der Hilflosigkeit umzugehen, müssen Erwachsenen den Kindern helfen und einschreiten, um die Mobbing-Spirale zu stoppen.

Denn wenn sich nichts ändert, dann steigt irgendwann wieder die Wut, der Frust und der Ärger in uns auf und die Spirale beginnt sich wieder von vorne zu drehen.

Gewalt hat viele Gesichter

Ich habe bei der Mobbing-Spirale gerade von Gewalthandlungen geschrieben, die wir physisch oder psychisch ausüben können. Doch wo genau beginnt eine Handlung gewalttätig zu werden? Oft sprechen die einen von Gewalt, wo andere noch „typische Hänseleien“ sehen. Das passiert nicht nur unter Kindern, sondern auch unter Erwachsenen. Ob in der Familie, in der Schule, im Job oder in der Freizeit, immer wieder haben wir unterschiedliche Wahrnehmungen, wann Gewalt beginnt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gewalt folgendermaßen: „Der absichtliche Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem körperlichen Zwang oder physischer Macht gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft, die entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklungen oder Deprivation führt.“

Ich persönlich würde Gewalt sehr weit definieren, weil ich in meiner Praxis viele Geschichten höre, die mir Menschen in ihrer Not und Hilflosigkeit berichten. Die mobbenden Kinder kommen meist nicht zu mir ins Coaching. Daher kann ich ihren Standpunkt hier nicht gut darlegen, ich würde ihnen aber meist keine absichtliche Handlung unterstellen. Schon da unterscheidet sich meine Definition von der der WHO. Auch sie handeln wohl aus einem Unvermögen, einer Hilflosigkeit heraus, weil sie in dem Moment keine andere Handlungsmöglichkeit erkennen können.

Hier findet ihr ein paar Fragen, die ich aus einer Weiterbildung zum Thema Mobbing beim Institut PINA habe. Sie sollen einfach mal zum Nachdenken anregen. Dabei geht es nicht darum, sie richtig oder falsch zu beantworten, sondern das Thema Gewalt allein oder mit anderen zu erforschen und zu diskutieren.

Ist es Gewalt, wenn …

… du dich bei deinem Referat versprichst, ein Blackout hast und alle lachen?
… du beim Turnen immer als letztes in die Mannschaft gewählt wirst?
… du zuschaust, wie ein anderer zusammengeschlagen wird?
… jemand dich mit dem Handy fotografiert, obwohl du es nicht möchtest?
… jemand Ego Shooter Spiele spielt?
… du vor dem Spiegel stehst und zu dir sagst: „Du bist hässlich!“?

Was kann man gegen Mobbing bei Kindern tun?

In meiner Praxis erlebe ich immer wieder hilflose Eltern und Jugendliche, die durch eine Familienberatung oder ein Kinder- und Jugendcoaching versuchen, gegen Mobbing vorzugehen. Hilfe und Unterstützung suchen meist die Betroffenen und deren Eltern, in meiner Praxis hatte ich zugegebenermaßen erst einmal eine Mutter, die Unterstützung für ihren Buben suchte, der in der Klasse dazu tendierte, andere auszugrenzen und zu mobben. Das zeigt auch die Studienlage: Es gibt viele Untersuchungen dazu, wie viele Kinder von Mobbing betroffen sind, aber kaum Zahlen, wie viele Kinder übergriffig werden.

Alle Kinder, auch jene, die Mobbing ausüben, haben keine Strategien erlernt, um mit der Situation anders, besser umzugehen.

Ich betone das hier so stark, da ich nicht den Anschein erwecken möchte, dass ein paar Übungen, die ich betroffenen Familien mit auf den Weg gebe, das Problem lösen können. Aber die Strategien können von Mobbing betroffenen Kinder in schwierigen Situationen stärken und ihnen Sicherheit geben. Und sie können auch den Jugendlichen, die andere ausgrenzen, die Stärke und den Mut geben, um erst gar nicht auf die Idee zu kommen, andere herunterzumachen oder bloßzustellen.

Gleichzeitig möchte ich Eltern, deren Kinder nicht direkt betroffen sind, aufrufen, trotzdem hinzuschauen. Es gibt nicht nur „Täter*innen“ und „Opfer“. Das gesamte Umfeld ist gefordert, das System aufzubrechen, das durch Schweigen, Wegsehen oder Mitmachen immer stabiler wird.

Ja, in einem Mobbing-Prozess gibt es Akteur*innen und Betroffene, aber ungefähr 90% schauen zu. Und genau diese 90% bestimmen, was weiter passiert!

Daher plädiere ich dafür, alle Kinder zu sensibilisieren und stark zu machen, damit sie sich für die schwächeren Kinder in der Klasse einsetzen, ihnen mutig beistehen oder sich trauen, um Unterstützung zu bitten, wenn sie selbst nicht weiterwissen. Nur so können wir als Gesellschaft dafür sorgen, dass Mobbing erst gar nicht entsteht.

Aus diesem Grund werde ich hier keine einfachen Tipps geben, sondern den Fokus auf langfristige Strategien gegen Mobbing setzen, um alle Kinder zu stärken.

7 Strategien gegen Mobbing bei Kindern

1. Sicherer Hafen

Es gibt einen klugen Spruch: Schiffe werden im Hafen gebaut, aber dafür sind sie nicht gemacht. Eure Kinder sollen sich also den Wellen des Lebens stellen können, aber zuhause sollen sie immer einen sicheren Hafen, einen Rückzugsort vorfinden. Zuhause ist der Ort, wo Kinder Energie tanken können, wenn es draußen mal stürmt. Genau in diesen Situationen ist es besonders wichtig, dass dein Kind weiß: Hier bin ich sicher, hier bin ich gewollt und gut so wie ich bin.

2. Vertrauensvolle Kommunikation etablieren

Sollte es bereits zu Mobbing gekommen sein, dann geh wirklich in den Dialog mit deinem Kind. Höre ihm aktiv zu, mit allen Sorgen und Ängsten, die dir dein Kind anvertraut. Dein Kind sollte keine Angst haben, seinen Eltern zu erzählen, was es bedrückt. Validiere diese Gefühle, ohne sie zu bewerten oder sofort nach einer Lösung zu suchen. Erstmal geht es nur darum, zuzuhören und das Problem deines Kindes ernst zu nehmen – ohne Bagatellisieren („Na das wird schon wieder.“), aber auch ohne Überreaktion („Ich rufe sofort die Mama von Paul an!“).

3. Wasserfall – andere Meinungen zulassen

Andere Menschen haben andere Meinungen, und ich entscheide selbst, wessen Meinung mir wichtig ist und welche nicht. Dadurch werden Beleidigungen nicht weniger, aber sie tun weniger weh, denn ich nehme sie nicht mehr so ernst.

Du kannst mit deinem Kind einen Schutz visualisieren, an dem alles abprasseln kann, was es nicht braucht. Das kann ein Wasserfall sein, den dein Kind auch unter der Dusche üben kann. Das Gute kann durch, das Schlechte bleibt draußen. Es kann das Bild eines Kristalls sein, der mich beschützt, oder eine Lichtkugel. Kinder sind oft sehr kreativ im Finden eines passenden Schutzes, den sie sich in schwierigen Situationen „überziehen“ können.

Wichtig ist, dass die Kinder lernen, dass andere manchmal eine andere Meinung haben und diese auch laut äußern dürfen. Das sollten Kinder aushalten lernen.


Ihr könnt auch Antwortstrategien üben, wie dein Kind in schwierigen Situationen auf unterschiedliche Meinungen hinweisen könnte. Zum Beispiel: „Interessant, wie du das siehst. Ich sehe das anders.“

4. Konflikte besser lösen – Spiele für Sozialkompetenz

Wer gelernt hat, mit anderen respektvoll umzugehen, kann Konflikte erkennen, deeskalieren und fair lösen. Ein starker Selbstwert sowie eine hohe Sozialkompetenz schützen Kinder und machen sie auch zu wertvollen Verbündeten für andere. Diese Fähigkeiten sind übrigens auch der Schlüssel für Akteure und Akteurinnen von Mobbing. Sie wollen Macht erleben, weil sie sich oft ohnmächtig oder wertlos fühlen. Sie setzen andere womöglich herab, um diesen Gefühlen entgegenzutreten.

Ihr könnt mit eurem Kind zum Beispiel mal ein Rollenspiel machen und darin einen Streit ohne Beleidigung üben. Dein Kind lernt, Argumente vorzubringen und Konflikte zu lösen, ohne zu eskalieren.

Außerdem könnt ihr Figuren aufstellen und so Situationen durchspielen: Wo stehen die? Wer fühlt sich wie in dieser Situation? Wenn ich die Figuren umstelle: Wer fühlt sich jetzt wie? Wer fühlt sich am stärksten? Wer fühlt sich am traurigsten? Was wäre, wenn noch jetzt noch zwei Mädchen dazu kommen? Was würde sich dann verändern? Wer müsste woanders stehen, damit sich X oder Y sicherer fühlt?

Solche Spiele machen Gefühle, aber auch Rollen und Konstellationen deutlich. Und euer Kind lernt, dass es oft nur ein kleine Veränderung braucht, damit sich Situationen plötzlich ganz anders anfühlen.

5. Abendritual – Gefühle erkennen und benennen

Damit Kinder erkennen, was ihnen guttut und was nicht, sollten sie lernen, ihre Gefühle zu erkennen und zu benennen. Das könnt ihr besonders gut bei einem Abendritual üben: Sagt euch gegenseitig, was am heutigen Tag schön war und was ihr als schwierig empfunden habt. Was habt ihr dabei gefühlt? Wie haben sich die anderen vielleicht gefühlt? Was könntet ihr beim nächsten mal anders machen? 5 Minuten sind bereits ausreichend, denn das Ritual soll dein Kind auf keinen Fall nerven. Und wenn deinem Kind heute nichts einfällt oder es keine Lut hat, dann ist das auch ok.

6. Verbündete suchen

Bereits ein Freund oder eine Freundin kann deinem Kind helfen. Schon ein einzelnes Kind, das nur „danebensteht“, hilft oft enorm. Das Schlimme am Mobbing ist das Gefühl, dass man sich völlig außerhalb der Gruppe befindet, dass niemand zu einem steht. Dieses Gefühl kann schon von einer Person aufgebrochen und relativiert werden.

Dabei ist es sehr hilfreich, wenn dein Kind selbst auf die Idee kommt, wen es als Verbündeten oder Verbündete auswählen möchte. Du kannst gerne Angebote machen und dein Kind unterstützen, zwinge es jedoch nicht, andere anzusprechen oder einzuladen. Dadurch kann noch mehr Druck in deinem Kind entstehen.

Ihr könnt auch gemeinsam üben, wie man andere ansprechen könnte: „Kann ich dir was erzählen, was mich nervt?“ „Ich hab grad ein Problem mit ein paar aus der Klasse. Kannst du kurz zuhören?“ „Ich brauch grad mal wen, der auf meiner Seite ist.“

7. Grenzen setzen – klar und eindeutig

Grenzen setzen ist sogar für uns Erwachsene oft schwierig. Daher übe mit deinem Kind, wie es klare Grenzen setzen kann. Grenzen setzen heißt nicht nur „Nein“ sagen, sondern vor allem: Ich nehme mich selbst und meine Bedürfnisse ernst, ohne das Gegenüber abzuwerten. Grenzen können verbal und nonverbal gesetzt werden, und das könnt ihr zuhause üben.

Ihr könnt aufeinander zuzugehen und probieren, nur durch die Körpersprache des Gegenübers zu erkennen, wann es deinem Kind oder dir zu nahe ist. Aufrechtes Stehen, ernste Mimik, Körperspannung, …

Ihr könnt klare, kurze Sätze üben, die dein Kind anwenden kann: „Hör bitte auf damit.“ „Ich mag das nicht.“ Das ist nicht okay. Hör auf.“ „Lass das.“ „Ich gehe jetzt.“

Dein Kind kann auch eine Grenze mit Konsequenz ankündigen: „Bei der nächsten Beleidigung melde ich das der Lehrerin.“ „Wenn du mich noch einmal schlägst, dann rufe ich die Betreuerin.“

Beim Grenzen setzen ist wichtig, dass euer Kind nicht nur Techniken übt, sondern ihm klar ist, dass es erlaubt ist, Grenzen zu setzen.

Lange Erklärungsversuche, Gegenbeleidigungen, Ignorieren oder „Aushalten“ sind keine guten Strategien für Kinder, die Mobbing erleben.

Mobbing ist eine Belastung, aber keine Sackgasse. Mit den richtigen Strategien gegen Mobbing bei Kindern kannst du dein Kind schützen, stärken und begleiten. Wichtig ist, dass du nicht allein bleibst und nicht zu lange abwartest.

Kinder brauchen sichere Orte: zu Hause, in der Schule und in sich selbst. Und sie brauchen Erwachsene, die handeln.

Die WIENEXTRA-Jugendberatung bietet gratis Mobbing-Beratungen für Kinder und Jugendliche im Alter von 6-25 Jahren an.

Das Wiener Jugendrotkreuz bietet Akuthilfe für Kinder und Jugendliche, die von Mobbing oder Cybermobbing betroffen sind. Es werden dort auch Mobbing-Sensibilisierungsworkshops für Schulklassen.

Das Projekt BUDDY bietet Workshops für Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern an. Der gemeinnützige Verein setzt auf Prävention, Intervention und versteht sich auch als Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche.

Ein gutes Buch finde ich Sei stark wie ein Löwe! Wie Eltern ihre Kinder gegen Mobbing wappnen von Daniel Duddek.

Hilfreiche Tipps, Schul-Workshops und Elternberatung zum Thema Cybermobbing bietet Saferinternet.at.