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Was passiert in der Pubertät bei Jungs? Testosteron, Rückzug und Computerspiele 

8. März 2024

Dein kleiner Liebling, der eben noch mit dir auf der Couch gekuschelt hat, schlurft nach der Schule wortlos in sein Zimmer und legt sein Handy bis spät nachts so gut wie nicht aus der Hand. Die Pubertät ist scheinbar über Nacht über ihn hereingebrochen wie eine Krankheit. Plötzlich hat dein Sohn keinen Bock mehr auf gar nichts, schaltet auf Durchzug und kommt nur noch zu den Mahlzeiten aus dem Zimmer. Die Freunde und Freundinnen sind jetzt viel wichtiger als Mama und Papa und Computerspiele sind viel interessanter als die doofe Schule. Und ihr als Eltern steht hilflos neben einem Sohn, den ihr so noch nicht kennt.

Aber was passiert in der Pubertät bei Jungs? Dieser Artikel soll dir einen Überblick geben, was speziell in der männlichen Pubertät vor sich geht. Die Zeit der Pubertät ist eine Zeit voller Fragen für deinen Sohn, aber gleichzeitig auch für euch Eltern. Wann fängt die Pubertät an, wie lange dauert sie, was verändert sich bei Buben in der Pubertät und wie reagieren die Jugendlichen auf diesen wichtigen Abschnitt in ihrem Leben?

In diesem Artikel möchte ich versuchen, einige hilfreiche Antworten auf diese schwierigen Fragen zu geben, um den lauten Schrei „Hilfe, mein Sohn ist in der Pubertät!“ etwas abzufangen. Denn die Pubertät bei Jungs ist eine Zeit der Veränderung, und jede Veränderung bringt auch Neues mit sich, das für Eltern und Jugendliche gleichermaßen verwirrend und aufregend sein kann.

Wann beginnt die Pubertät bei Buben und wie lange dauert sie?

In der Pubertät entwickelt sich das Geschlecht, und da gibt es natürlich rein biologische, körperliche Unterschiede und Besonderheiten zwischen Buben und Mädchen. Bei Buben beginnt die Pubertät ungefähr zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr. Dies ist aber nur eine Richtlinie, jeder Bub ist anders und daher kommt es hier im Alter zu starken Schwankungen.

Die Buben beginnen jetzt, sich zu jungen Männern zu entwickeln und werden geschlechtsreif. Oft kommt es in dieser Zeit zu einem starken Wachstumsschub und Muskeln beginnen sich zu auszuformen. Der genaue Zeitpunkt, wann dieser Veränderungsprozess beginnt, ist hormonell gesteuert und genetisch bedingt und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

In der Regel beginnen Buben später zu pubertieren als Mädchen, dafür dauert die Pubertät bei Jungs meist länger, oft bis über die Schulzeit hinaus.

Viele Entwicklungen und Reifungsprozesse im Gehirn sind bei Buben manchmal erst mit 20 Jahren abgeschlossen.

Wenn ihr euch für die Mädchen-Pubertät interessiert, dann könnt ihr mehr darüber in meinem Artikel Wie Eltern die Mädchen-Pubertät navigieren nachlesen.

Was passiert in der Pubertät im Körper deines Sohnes?

Die Veränderungen sind vielfältig und sind körperlicher und psychischer Natur. Der Körper produziert jetzt mehr Testosteron, und dieses Hormon wirkt in jeder Zelle.

Jungs haben übrigens ungefähr 15-20 mal mehr Testosteron als Mädchen, sie sind also stark damit versorgt.

Durch dieses Hormon beginnt dein Sohn in der Pubertät, sich zum Mann zu entwickeln, und das tut er manchmal in einer etwas chaotischen Reihenfolge. Zuerst wachsen Kopf, Hände und Füße, dann erst kommen die Arme und Beine dran, und erst zum Schluss folgt der Oberkörper. In dieser Phase fühlen sich Jugendliche oft unwohl in ihrem Körper und ihr als Eltern könnt euren Sohn mit der Gewissheit beruhigen, dass diese Wachstumsphase mit Sicherheit vorübergeht.

Körperliche Veränderungen in der Pubertät bei Jungs

Euer Sohn wächst nicht nur während der Pubertät, nach und nach verändert sich sein Körper hin zum Mann.

Behaarung und Bartwuchs

Im Genitalbereich und unter den Achseln beginnen die Haare zu wachsen, auch die Bartbehaarung beginnt. Für viele Jungs ist es anfangs eigenartig, dass durch die Testosteronausschüttung plötzlich Haare an Körperstellen wachsen, wo bisher keine zu sehen waren. Die Schambehaarung kann glatt oder gekräuselt sein, auch hier gilt wieder: jeder Junge ist anders und das Aussehen sowie der Zeitpunkt des Auftretens der Intimbehaarung ist von einem zum anderen unterschiedlich.

Die neue Behaarung ruft aber nicht nur Scham hervor, viele Jungs sind stolz auf die ersten Haare im Intimbereich oder den aufkommenden Bartwuchs. Die Reaktionen auf die Veränderungen variieren stark von Junge zu Junge.

Stimmbruch 

Bei Buben ist die Veränderung der Stimme viel deutlicher zu hören als bei Mädchen. Das Testosteron wandelt die helle und eher hohe Kinderstimme während der Pubertät immer mehr in eine tiefere Erwachsenenstimme um. Das passiert oft zwischen dem 12. Und 13. Lebensjahr, der Stimmbruch kann aber auch schon früher oder erst später beginnen und dauert meist einige Monate. In dieser Zeit kommt es durch das erhöhte Testosteron auch zum Anwachsen des Kehlkopfes eures Sohnes.

Schweißbildung 

Durch die Hormonumstellung bei eurem Sohn kann es in der Pubertät zu vermehrter Schweißbildung kommen. Die Buben sind es oft noch nicht gewohnt, täglich zu duschen oder ein Deo zu benutzen. Dies wird aber besonders dann nötig, wenn sie sich viel bewegen und Sport betreiben. Und nicht vergessen: auch an den Füßen gibt es Schweißdrüsen.

Hautunreinheiten und Akne 

Durch die hormonellen Veränderungen kann es zu Pickeln und Unreinheiten kommen, bei manchen Jugendlichen kann Akne auftreten, die aber bei den meisten Jungs nach der Pubertät wieder vergeht, wenn sich die Hormone eingependelt haben.

Veränderung der Geschlechtsorgane

Der Körper eures Sohnes bildet in der Zeit der Pubertät sowohl Androgene (männliche Hormone) als auch Östrogene. Das Testosteron, das bei Jungs für so viele Veränderungen verantwortlich ist, gehört zu den Androgenen. Dieses Hormon ist dafür verantwortlich, dass bei eurem Sohn jetzt die Hoden wachsen, die sich auch verfärben und etwas dunkler werden können. Und auch der Penis wächst und erste Spermien werden produziert.

Erster Samenerguss

Der erste Samenerguss zeigt, dass euer Sohn jetzt zeugungsfähig ist. Die meisten Jungs haben den ersten Samenerguss nachts, hervorgerufen durch Träume oder auch durch Selbstbefriedigung.

Was macht das Testosteron im Körper?

Hormonelle Veränderungen haben während der Pubertät bei Jungs nicht nur Einfluss auf den Körper eures Sohnes, sondern auch auf sein Gehirn. Daher treffen Jugendliche risikoreichere Entscheidungen, reagieren impulsiver als Erwachsene oder Kinder und sind belohnungsorientierter. Der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen ist hier minimal.

Während der Adoleszenz entwickelt sich die weiße Substanz im Gehirn weiter, da die Nervenfasern mit einer fetthaltigen Schicht ummantelt werden. Dadurch wird die Übertragungsgeschwindigkeit schneller, deswegen verbessern sich auch die motorischen Fähigkeiten. Die Jungs werden immer besser in Computerspielen oder finden sich mit ihren Fahrrädern im Straßenverkehr viel besser zurecht.

Die graue Substanz im Gehirn ist in der Jugend besonders dynamisch. Dadurch entstehen neue Verbindungen im Gehirn und Netzwerke werden ausgebaut. Überflüssige Synapsen hingegen werden weggeschnitten, was wiederum entscheidend ist für die Anpassungsfähigkeit des Gehirns. Jetzt ist also die Zeit, in der neue Erfahrungen und Lernprozesse gemacht und abgespeichert werden.

Wenn ihr mehr wissen wollt über die große Baustelle im Gehirn von Jugendlichen, dann lest doch meinen Artikel Gehirn im Umbau – Was in der Pubertät im Kopf passiert.

Und was bedeutet das für das Verhalten eures Sohnes während der Pubertät? Was macht das Testosteron mit ihm im Umgang mit anderen?

Statusinteresse

Während der Pubertät wird der Status, den er in einer Gruppe einnimmt, immer wichtiger für euren Sohn.

Viel Testosteron bewirkt, dass wir ein starkes Interesse daran haben, welche Position wir in Bezug auf andere, auf eine Gruppe einnehmen.

Das gilt gleichermaßen für die Familie und für Gleichaltrige, in der Schulklasse, im Sportverein oder ganz allgemein in der Gesellschaft. Wichtig für Eltern ist in diesem Zusammenhang, ihrem Sohn mitzugeben, dass nicht nur Draufhauen einen gewissen Status in einer Gruppe bringen kann, sondern auch Fairness. Das nehmen die Jugendlichen wahr, wenn es ihnen vorgelebt wird. Jugendliche haben ein sehr feines Gespür dafür, was in einer Gruppe, in einem gewissen Milieu zählt. Was ihr tun könnt, wenn euer Kind in der Schule ausgegrenzt wird, findet ihr hier.

Handlungsorientierung

Testosteron bedeutet aber auch, in Aktion zu gehen. Gerade das Vernunfthirn, also das Großhirn eures Sohnes ist am Anfang der Pubertät bei Jungs noch sehr schwach entwickelt. Viele Synapsen beginnen nun, sich aufzulösen. Während dieses Prozesses ist die Impulskontrolle noch nicht gut reguliert, gleichzeitig pusht das Testosteron sie nach vorne. Jungs machen also auch mehr körperlichen Blödsinn, machen Kunststücke, betreiben exzessiv Sport und neigen zu Mutproben und Risikoverhalten. Dieses risikoreiche Verhalten von Buben während der Pubertät sollten Eltern im Auge behalten, doch ist es auch wichtig für die Entwicklung der Jungs.

Wären Jugendliche nicht risikofreudig und würden sie Situationen nicht anders angehen als die Generation vor ihnen, dann gäbe es auch keine Weiterentwicklung.

Diese Verhalten ist also sinnvoll, um andere, neue Vorstellungen zu entwickeln. Es ermöglicht also gleichzeitig gesellschaftlichen Fortschritt, macht die Jugendlichen aber auch verletzlicher für negative Erfahrungen. Für euch als Eltern bedeutet das eine Gratwanderung zwischen Vertrauen und Schutz eurem Sohn gegenüber.

Die großen Themen der Pubertät bei Jungs

In der Pubertät bei Jungs werden viele verschiedene Themen wichtig. Ob körperliche Veränderungen oder komplexe innere Transformationen, jedes dieser Themen hat eine persönliche, aber auch eine geschlechtliche Komponente. Die folgenden Themen prägen nicht nur die individuelle Reise eures Sohnes durch die Adoleszenz, sondern beeinflussen auch seine Beziehungen zu anderen Menschen und seine Sicht auf sich selbst in der Welt.

Der Körper wird erwachsen

Der Körper eures Sohnes entwickelt sich während der Pubertät von einem kindlichen zu einem erwachsenen Körper. Diese Transformation findet sichtbar, aber auch unsichtbar statt und ist Teil eines völlig natürlichen Entwicklungsprozesses. Ihr als Eltern dürft diesen Prozess begleiten, damit sich euer Sohn später sicher und akzeptiert fühlt.

Soziale Erwartungen

Die Psyche eures Sohnes muss während der Pubertät die körperlichen Entwicklungen mit den soziale Erwartungen der Umwelt zusammenbringen, und das ist oft gar nicht so leicht. Die Jugendlichen fragen sich während der Adoleszenz nicht selten, was die Familie, die Schule, das gesamte Umfeld von ihnen erwartet. Das alles ist Neuland für die Pubertierenden und stellt eine große Herausforderung dar. Während dein Sohn vollauf mit seinem Innenleben beschäftigt ist, wird der Blick von außen auf seine Situation und die Erwartungen des Umfelds für ihn schwierig.

In solchen herausfordernden Situationen kann die systemische Jugendberatung deinem Sohn helfen zu lernen, seine eigenen Wünsche und Ziele zu artikulieren, ohne dabei das Umfeld außer acht zu lassen.

Die Außensicht kann den Jugendlichen neue Blickwinkel eröffnen, um die Erwartungen der Umwelt zu erkennen und zu erfahren, wie unterschiedlich Jugendliche in verschiedenen Situationen gesehen werden.

Entwicklungsaufgaben

Während der Pubertät müssen Jugendliche viele Situationen meistern, die für ihr späteres Leben und ihre Entwicklung enorm wichtig sind.

Das Lösen von den Eltern ist wohl die wichtigste Entwicklungsaufgabe eures Sohnes während der Pubertät.

Die oftmals sehr nahe Verbindung zu Mama und Papa beginnt jetzt, sich aufzuweichen, lockerer zu werden. Das kann für Eltern manchmal schmerzhaft sein, doch ist dies ein wichtiger Prozess für euren Sohn. Er lernt jetzt, er selbst zu sein, sein Blick auf die eigene Identität wird schärfer, seine Grenzen werden klarer.

Die Gruppe der Gleichaltrigen

Die Peergroup wird für euren Sohn während der Adoleszenz immer wichtiger. Die Gleichaltrigen sind ein wichtiger Anker der Identität, sie geben den Jugendlichen Feedback zu ihrem Verhalten. Euer Sohn entwickelt nun grundlegende Werte, bekommt Informationen und Bestätigung durch seine Freunde. Er lernt, wofür er von anderen Anerkennung bekommt, und formt sein eigenes Bild von Männlichkeit. Anerkennung erhält bei den Jungs meist derjenige, der rebellisch, risikofreudig und cool ist. Studien haben ergeben, dass Buben sich noch risikofreudiger verhalten, wenn sie in einer Gruppe von Gleichaltrigen sind.

Euer Sohn lernt jetzt auch zu entscheiden, wann er in der Gruppe und wann er allein sein will. Die Jugendliche sind hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit und der Suche nach Zugehörigkeit, was zu Spannungen in ihren Beziehungen zu Familie, Freunden und anderen Autoritätspersonen führen kann.

Die Entwicklung der Sexualität

Während der Pubertät eures Sohnes entwickeln sich die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale und senden Impulse. Das führt oft zu einer erhöhten Neugier und einem neuen Selbstbewusstsein bezüglich des eigenen Körpers. Hormonelle Veränderungen spielen eine zentrale Rolle bei der sexuellen Entwicklung und können zu erhöhtem sexuellen Verlangen führen.

Jugendliche beginnen während der Pubertät, ihre sexuelle Identität zu erforschen und ihre sexuellen Vorlieben zu entwickeln. Diese Phase kann von Verwirrung, Unsicherheit und Neugier geprägt sein, aber auch von der Entdeckung und Entwicklung eines gesunden sexuellen Selbstbewusstseins und Verständnisses.

Die Position in der Gesellschaft 

Euer Sohn macht sich nun bewusst oder unbewusst Gedanken darüber, welche Position er in der Gesellschaft einnehmen möchte. Er sucht sich erwachsene Vorbilder, die er nachahmen kann, und denkt über mögliche Berufe nach. Je mehr verschiedene Vorbilder euer Sohn in dieser Zeit bekommt, desto mehr Optionen hat er für die eigene Zukunft.

Diese Phase ist geprägt von einem verstärkten Bewusstsein für soziale Normen, Gruppenzugehörigkeit und individuelle Identität.

Jugendliche experimentieren oft mit verschiedenen sozialen Rollen, Freundeskreisen und Aktivitäten, um herauszufinden, wo sie sich am besten integriert und akzeptiert fühlen.

Männlichkeit

Buben werden nach wie vor vorrangig von Frauen erzogen, sei es zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule. Dies kann die Identitätsfindung erschweren, da sie im täglichen Leben manchmal nur wenige Ausprägungen von Männlichkeit erleben. Im Gegensatz dazu haben Mädchen während der Pubertät oft viele unterschiedliche Frauenbilder als Vorbilder.

Jungs orientieren sich stark an Männlichkeitsbildern, die sie aus den Medien, insbesondere aus sozialen Medien, kennen, was sich besonders innerhalb der Peergroup zeigt.

Sind die Jungs allein, mit der Familie oder in Anwesenheit von Mädchen, dann verhalten sie sich oft völlig anders als in einer Gruppe mit gleichaltrigen Buben. In solchen Situationen zeigen sie oft eine weichere, emotionalere Seite, während sie innerhalb der Peergroup oft versuchen, sich als cool und überlegen darzustellen. Mit zunehmendem Alter werden sie offener und trauen sich auch, ihre sensiblen Seiten zu zeigen.

Hilfe! 7 Tipps für Eltern im Umgang mit der Pubertät eures Sohnes

Was brauche ich, um Antworten auf all die Fragen zu finden, die während der Pubertät meines Sohnes auftreten? Der Diplom-Pädagoge Dr. Reinhard Winter hat darauf eine einfache Antwort: Das Leben! Der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts Tübingen gibt in seinem Buch Jungen & Pubertät: In Beziehung bleiben, wenn alles anders wird hilfreiche Tipps für Eltern in Bezug auf die Pubertät ihres Sohnes.

1. Pubertiert mit euren Söhnen mit

Eltern wachsen mit ihrem pubertierenden Sohn mit, sie bleiben während dieser Zeit selbst nicht stehen. Sie haben also ihren ganz eigenen Entwicklungsauftrag, was auch bedeutet, dass sie sich immer wieder selbst hinterfragen sollten. Ihr als Eltern bildet für euren Sohn die Basis mit für sein weiteres Leben, eure Begleitung ist für euren Sohn während der Pubertät die positive Grundausstattung. Das bedeutet also, dass ihr mit ihm mitwachsen könnt.

Dafür braucht ihr 2 Dinge:

Wissen über die Pubertät

Ihr seid erwachsen, habt also eure eigene Pubertät durchlebt. Das bringt euch einen entscheidenden Erfahrungsvorsprung, und dieses Wissen über die Pubertät bei Buben könnt ihr mit eurem Sohn teilen, egal ob aus Sicht des Vaters oder aus der Sicht der Mutter. Für ihn ist es das erste Mal, dass all diese Veränderungen über ihn hereinbrechen, ihr aber könnt ihm aus eurer eigenen Erfahrung heraus beruhigen, dass er da auch wieder rauskommt. Vielleicht trifft diese Information manchmal auf taube Ohren, trotzdem ist es wichtig, euren Sohn mit Feingefühl und Respekt für seine Nöte zu begleiten.

Kontakt zu eurem Sohn

Es klingt wie ein Widerspruch: euer Sohn will während der Pubertät nichts lieber, als sich von euch abzulösen. Und gleichzeitig sollt ihr mit ihm in Kontakt bleiben? Trotzdem ist es gerade jetzt wichtig, den Kontakt zu eurem Sohn immer wieder zu suchen.

Diesen Widerspruch zwischen Loslösen und Kontakt halten gilt es als Eltern auszuhalten, denn auch euer Sohn will mit euch in Verbindung bleiben. Nur eben in einer anderen Qualität als vorher.

Seid also neugierig, wie sich diese neue Art der Verbindung entwickeln kann und sucht den Kontakt auf Augenhöhe. Hinterfragt euch selbst, wie ihr die Kommunikation mit eurem Sohn erwachsener gestalten könnt. Stellt euch immer wieder die Frage: Würde ich so mit einem guten Freund, einer engen Freundin sprechen?

2. Unterschiedliche Männlichkeitsbilder anbieten

Während der Pubertät passiert viel mit Jungs. Sie müssen sich mit gesellschaftlichen Vorstellungen auseinandersetzen, mit unterschiedlichen Männlichkeitsbildern. Die Ideen und Vorstellungen der Gesellschaft prasseln auf die Pubertierenden ein, sie fragen sich andauernd, was Männlichkeit bedeutet und wie ein Mann zu sein hat. Auch wenn euer Sohn nicht so werden will wie manche männlichen Vorbilder, so setzt er sich doch mit ihnen auseinander, entwickelt und entwirft ein Männlichkeitsbild für sich selbst. Ihr als Eltern könnt ihm hier helfen, die verschiedensten Bilder von Männlichkeit zu sichten und dabei grundlegende Werte nicht aus den Augen zu verlieren. Fragt euch selbst, welches Bild von Männlichkeit ihr ihm mit auf den Weg geben möchtet, welche Werte ihr ihm in seinen Rucksack packen wollt.

Ihr erzieht jetzt die Männer von morgen. Fragt euch also auch, welche Männer sich die Frauen von morgen wünschen. Denn mit der Erziehung der Jungs gestaltet ihr auch die Beziehungen der Zukunft. Also sprecht mit eurem Sohn unbedingt über Themen wie Gewalt- und Dominanzverhalten, Körperlichkeit, Homophobie. Fragt ihn nicht nur nach seinem Bild von Männlichkeit, sondern fragt ihr auch, wie er Beziehungen in Zukunft leben möchte, welcher Mann, welcher Partner, welcher Vater er gerne wäre.

2. Körperliche Veränderungen: Respekt statt Scham!

Was die körperlichen Veränderungen angeht, so ist eine positive Grundhaltung von euch Eltern enorm wichtig. Kommuniziert mit eurem Sohn über die ersten Achselhaare, helft ihm bei der Suche nach dem besten Rasierer, anstatt sich über den Flaum auf seiner Oberlippe lustig zu machen.

Euer Sohn spürt, dass sein Körper noch nicht so männlich ist wie der von erwachsenen Männern, und das führt oft zu Scham. Geht also respektvoll mit diesen schamhaften Gefühlen eures Sohnes während der Pubertät um.

Unterstützt ihn, interessiert euch für seine Anliegen und zeigt Respekt dafür. Manche körperlichen Veränderungen können eurem Sohn auch Angst machen. Wenn der Körper zum Beispiel viel Testosteron produziert, dann wächst manchen Jungs eine Brust und es kommt zu einer Verdickung der Brustwarzen. Erklärt eurem Sohn, dass das völlig normal ist und wieder zurück wächst. Nur so könnt ihr ihm Ängste nehmen oder sie gar nicht erst aufkommen lassen.

3. Soziale Medien: Selbstwahrnehmung stärken

Der Körper ist in der eigenen Wahrnehmung während der Pubertät bei Jungs oft „nicht richtig“ und korrespondiert noch nicht mit Männlichkeitsbildern, die sie aus den Medien kennen. Vor allem Soziale Medien verändern den Blick auf den eigenen Körper und führen so zu Verunsicherung. Bin ich zu dünn, zu dick, zu groß, zu klein? Wächst der Penis erst später, so kann auch das zu Verunsicherung führen.

Der Blick auf den Körper ist bei Jungs während der Pubertät sehr skeptisch und die Sozialen Medien verstärken diesen Trend. Ist euer Sohn mit dem eigenen Körper nicht zufrieden, dann führt das manchmal zu übermäßigem Training. Die Jungs trinken Protein Shakes und schlucken Nahrungsergänzungsmittel, die nicht immer positive Auswirkungen auf ihren Körper haben. Vor allem Väter sind jetzt gefragt, sie sollten eine entspannte, optimistische Haltung rüberbringen und von ihren Erfahrungen mit Ängsten und Scham während der eigenen Pubertät erzählen. Und auch Mütter sollten die Wahrnehmung ihres Sohnes in Bezug auf seinen Körper ernst nehmen und offen mit ihm kommunizieren.

4. Bildschirmzeit

Ein häufiges Streitthema zwischen Jugendlichen und Eltern während der Pubertät bei Jungs ist die Zeit, die Jugendliche vor dem Bildschirm verbringen. Aber warum sind Computerspiele eigentlich so attraktiv? Das hängt wieder mit dem Belohnungszentrum im Gehirn zusammen. Jeder Erfolg im Spiel setzt Dopamin im Gehirn frei und triggert somit das Belohnungssystem. Das Gehirn braucht gerade während der Pubertät immer größere Kicks, um gleichviel zu spüren wie zuvor. Und dafür sind Computerspiele perfekt.

Auch ist der eingebaute Algorithmus in den sozialen Medien genau darauf ausgerichtet, die Bildschirmzeit zu verlängern und sich darin zu verlieren. Diese Zeit vor dem Bildschirm bedeutet aber, dass die Jugendlichen sich weniger mit eigenen Themen beschäftigen, sie werden von sich selbst abgelenkt und ihnen fehlt diese Zeit für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Für euch Eltern ist es hilfreich, die Bildschirmzeit möglichst früh zu beschränken, das kann späteren Diskussionen vorbeugen. Schwierig, aber wichtig ist hier, dranzubleiben, nicht zu früh aufzugeben und trotzdem Verständnis für die Jungs und ihre Wünsche aufzubringen.

5. Interesse zeigen

Zeigt eurem Sohn, dass euch seine Themen, seine Erfolge, aber auch seine Ängste und Sorgen interessieren. Sport, Computerspiele oder Comics – lasst euch Dinge, die ihr nicht kennt oder die euch fremd sind einfach mal von eurem Sohn erklären. Dieses Interesse sollte authentisch sein, geht auf seine Themen ein und stellt nicht nur Fragen wie in einem Verhör.

Oft entstehen Gespräche mit eurem Sohn während vollkommen nebensächlicher Tätigkeiten, beim Kochen oder beim Spazieren gehen. Oft suchen die Jungs auch das Gespräch in Situationen, in denen sie wissen, dass keine Zeit für stundenlange Diskussionen ist, also kurz vor dem Schlafengehen oder wenn ihr selbst schon auf dem Sprung seid. Nutzt diese Kommunikationsfenster, auch wenn sie nur kurz sind.

6. Streit und Rückzug aushalten

Interessant ist, dass harte Auseinandersetzungen während er Pubertät in den letzten Jahren immer mehr nachlassen und die Buben sich oft eher zurückziehen. Für Eltern ist dieses Verhalten schwierig, da sie ja gerne mit dem Sohn in Kontakt kommen wollen.

Jetzt spüren die Jungs, dass sie eine gewisse Macht über ihre Eltern ausüben können, dass der Rückzug die Eltern manchmal mehr trifft als die Auseinandersetzung. Und genau diesen Konflikt braucht es, um sich von den Eltern lösen zu können.

Auch wenn euer Sohn während der Pubertät manchmal nicht so reagiert, wie ihr euch das wünschen würdet, wenn er auf Durchzug schaltet, nur noch schweigt oder viele Gespräche im Streit enden, so ist es nur sein Verhalten, das ihr nicht toll findet. Zeigt ihm, dass ihr nur eben dieses Verhalten in dieser Situation ablehnt, nicht aber ihn als Person. Und denkt daran, dass auch Konfliktthemen wie Ausgehen, Bildschirmzeit oder Übernachtungen bei Freunden Redeanlässe sind. Diesen Streit auszuhalten ist wichtig, um mit eurem Sohn in Beziehung zu bleiben, denn auch im Streit findet Kommunikation statt und euer Sohn lernt, Argumente zu finden und zu formulieren.

7. Vertrauen trotz Risikoverhalten

In der Adoleszent wissen viele Jugendliche nicht, wann es genug ist. Ob in Bezug auf Computerspiele, Serien oder Alkohol, oft können die Jungs noch schwer einschätzen, wann sie aufhören sollten. Und trotzdem sollt ihr eurem Sohn mehr Vertrauen schenken als früher.

Es ist ein Paradox, das schwer auszuhalten ist. Ihr sollt eurem Sohn während der Pubertät vertrauen, obwohl er gerade jetzt immer mehr Risiken eingeht.

Diese Gratwanderung als Eltern zu meistern ist aber wichtig für euren Sohn. Nur durch Vertrauen können Söhne beweisen, dass sie Verantwortung übernehmen können. Und das schafft wieder neues Vertrauen.

Die Veränderung der Eltern-Rolle während der Pubertät von Buben

Wenn dein Sohn also in der Pubertät ist, brechen auch für dich als Mama oder Papa neue Zeiten an. Ihr als Eltern solltet also auch eure eigene Rolle mitentwickeln. Euer Sohn braucht euch plötzlich nicht mehr so wie zuvor, und dadurch verliert ihr als Eltern auch einen Teil eurer Identität, die in den letzten Jahren zentral war in eurem Leben. Euer Sohn beginnt jetzt, seinen eigenen Weg zu gehen, und dadurch werdet ihr als Eltern plötzlich wieder auf euch selbst zurückgeworfen. Das ist eine ganz neue Chance für euch! Nutzt die neue, wiedergewonnen Zeit für euch. Seid neugierig darauf, was die Pubertät eures Sohnes für euch bringen kann, welche eurer Freundschaftsbeziehungen sich jetzt wieder intensivieren können, auf welche Hobbies ihr wieder Lust habt.

Der empfundene Verlust eures Kindes kann schmerzhaft sein, aber jeder Verlust öffnet auch Raum für Neues. Jetzt könnt ihr euch ein neues Bild machen von eurer Rolle als Mama oder Papa, ein neues Bild von Familie.

Also habt auch ihr Spaß an der Pubertät, bleibt neugierig und offen in der Kommunikation mit eurem Sohn und schafft eine respektvolle und unterstützende Familienatmosphäre, sodass euer Sohn sich mit Anliegen und Fragen an euch wenden kann.

Der Blick von außen

Sollte euer Bild von Familie all eurer Bemühungen einmal ins Wanken geraten oder unklar werden, dann holt euch gerne Hilfe in Form von Beratung.

In der Elternberatung geht es um dich als Elternteil oder um euch als Paar. Hier werden eure Ängste und Sorgen besprochen, hier sind alle Fragen erlaubt und kein Thema ist tabu.

Sollte euer Sohn sich nur noch zurückziehen oder ihr euch Sorgen machen, dass seine Ängste überhandnehmen, dann lege ich euch die Jugendberatung ans Herz. Manchmal kommt ihr als Eltern nicht mehr weiter und vielleicht habt ihr ja das Gefühl, dass ein Blick von außen eurem Sohn guttun würde.

Aus meiner Erfahrung warten Eltern von Jungs länger damit, sich Hilfe zu holen. Das liegt sicherlich auch an den immer noch bestehenden Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern: Ein Bub muss es selbst schaffen und hat sowieso keine Lust zu reden. Doch ich erlebe gerade bei Buben, wieviel Spaß sie an den Übungen und Methoden in der Jugendberatung haben und wie gerne sie das Angebot annehmen, mit einer außenstehenden Person zu sprechen.

Und noch ein Tipp zum Abschluss: Der Verein poika bietet gendersensible Bubenarbeit für Schulen an. Die Workshops können für Schulklassen angefragt werden und werden in Ergänzung mit Workshops für Mädchen angeboten.